Auswanderer

Leser exklusiv im Auswandererhaus

„Für uns war das sehr interessant. Es war toll, einen Einblick in die wissenschaftliche Arbeit zu bekommen“, sagten Elke Janßen und Traudel Funk übereinstimmend, die im Rahmen der Aktion KWZ+Ich mit weiteren Leserinnen und Lesern der Kreiszeitung das Archiv des Deutschen Auswandererhauses in Bremerhaven besuchen durften.

Das Besondere an diesem Ausflug über die Weser war für alle, dass sie in Räume vorgedrungen sind, die sonst der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. „Das ist eine exklusive Aktion für die Leser der Kreiszeitung“, bestätigte Tanja Fittkau, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Auswandererhauses die Führung leitete. Das tat sie mit der gleichen Freude und Begeisterung, mit der sie auch ihre Forschungen betreibt. „Man schwankt oft zwischen Gefühl und Wissenschaft hin und her, wenn man solche Erinnerungsstücke erhält“, sagte sie, als sie eine Puppe aus Amerika präsentierte, die eine Auswanderin ihrem Patenkind nach Deutschland geschickt hat.

Glück und Scheitern

Der Blick auf die alten Fotos, Briefe oder Tagebücher fand auch KZW-Leser Manfred Heibült „hochinteressant und aufschlussreich“. Zudem präsentierte Tanja Fittkau stolz einen schicken Mantel, den eine Auswanderin auf der Fahrt in ein anderes Leben getragen hat. „Jede einzelne Biografie vertieft unsere Forschung“, erklärte die Wissenschaftlerin, die in intensiven Gesprächen mit Verwandten und Freunden der Auswanderer so weit wie möglich in jede Lebensgeschichte einzutauchen versucht. Dass sie dabei nicht nur Neugier und detektivischen Spürsinn, sondern auch viel Herzblut an den Tag legt, spürten die Leserinnen und Leser der Kreiszeitung, die mit großer Aufmerksamkeit ihren Ausführungen lauschten.
Auf zwei Biografien ging Tanja Fittkau ausführlich ein, in denen eine Auswanderin nach Amerika und eine Einwanderin aus Mauritius am Ende wirklich ihr Glück gefunden haben. Natürlich, so die Wissenschaftlerin, stoße sie aber auch auf Enttäuschungen und traurige Schicksale bei den emotionalen Achterbahnfahrten ihrer Arbeit. Das Spannende für sie sei, dass ihre Forschung nie fertig sei, denn immer wieder tauchen neue Geschichten und Zusammenhänge auf. Neue Reisepässe, Einbürgerungsurkunden oder Ausweise, die in der Sammlung des Auswandererhauses behutsam gehegt und gepflegt werden. „Wir können nicht jedes Leben in den Ausstellungen zeigen. Aber wir bewahren sie hier auf, dokumentieren sie, und irgendwann sollen alle mal das Licht der Öffentlichkeit erblicken.“
So zeigte sie den Leserinnen und Lesern der Kreiszeitung auch eine Pferdebürste, die ein Vater einer Auswanderin nach Amerika mitgegeben hat, weil er dachte, dass sie dort einen Cowboy heiraten wird. Ihr Herz hat sie dann allerdings an einen Bäcker verloren und jeden Abend die Krümel mit der Pferdebürste in der Backstube beseitigt.